Präsentation: „The Imposition of Nationalism on a Non-Nation State – The Case of Iraq“

Ich habe letztes Semester eine Präsentation über einen Text von Reeva S. Simon gehalten, welcher den Titel „The Imposition of Nationalism on a Non-Nation State – The Case of Iraq During the Interwar Period, 1921-1941“ trägt. Diese Präsentation war Teil eines Seminars namens „Nations and Nationalism“, und das bearbeitete Thema wird im Rahmen einer Hausarbeit, die sich mit dem Verhältnis zwischen König Faisal I. und der britischen Regierung nach der Gründung des Irak bis zum nationalistischen Militärputsch 1941 auseinandersetzt, weiter vertieft werden.

Für eine korrekte Arbeit mit dem Text, nachfolgend die ausführliche Zitation. Ein Klick auf selbige führt auf eine online abrufbare Version bei des kompletten Textes bei Google Books:

Simon, Reeva S.: “The Imposition of Nationalism on a Non-Nation State – The Case of Iraq During the Interwar Period, 1921-1941”, in: Jankowski, James; Gershoni, Israel (Eds.): Rethinking Nationalism in the Arab Middle East. New York, Columbia University Press, 1997, pp. 87-104.

Mein Handout zur Präsentation findet sich hier:

Handout: The Imposition of Nationalism on a Non-Nation State - The Case of Iraq
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Das Handout kann gerne weiterverwendet werden, Lizenz ist CC-BY-NC-SA, über Ausnahmen lässt sich reden. Das Titelbild dieses Beitrages stellt jene Karte dar, die sich im Anhang des Sykes-Picot Abkommens finden lässt, welches Westasien in eine britische und französische Einflusszone einteilte. Eine höher aufgelöste Version lässt sich auf Wikimedia Commons finden.

Putsch mit Ansage in Ägypten – der perfekte Staatsstreich

Gestern um 19 Uhr verkündete der General Abdel Fattah al-Sisi, Verteidigungsminister und zugleich Chef des Militärs, die Absetzung des demokratisch gewählten ägyptischen Präsidenten Mohammed Mursi. Die Absetzung folgte einem Ultimatum des Militärs an den Präsidenten, den Forderungen der Protestbewegung Tamarod nachzukommen. Das Eingreifen des Militärs wirkt auf den ersten Blick wie die Umsetzung des Volkswillens. Erst auf den zweiten Blick wird klar, dass das Militär nicht nur aus Sympathie zu den Demonstranten eingriff, sondern auch den perfekten Staatsstreich durchführte.

Zu oft wird vergessen, dass der 2011 aus dem Amt gejagte Präsident Husni Mubarak selbst Mitglied des Militärs war und erst verloren hatte, als dieses ihm nach wochenlangen Demonstrationen die Unterstützung entzog. Infolgedessen übernahm ein oberster Militärrat um Mohammed Hussein Tantawi die Staatsführung,  die Vorbereitung von Wahlen zu einer verfassungsgebenden Versammlung und anschließender Parlaments- sowie Präsidentschaftswahlen. Hierfür ließ sich der Militärrat jedoch viel Zeit, gegen Demonstranten und Kritiker ging er ebenso strikt vor wie es unter Mubarak der Fall war. Als die Staatsführung im Juni 2012 schließlich in die Hände des ehemaligen Muslimbruders Mursi gelegt wurde, war der Ruf des Militärrats sowie des gesamten Militärs auf einem Tiefpunkt.

Es war für das Militär besonders schmerzhaft, die Fackel gerade an die Muslimbrüder weiterzugeben, eine Organisation, die unter Nasser, Sadat sowie Mubarak seit 1954 auch mit Hilfe des Militärs unterdrückt und verfolgt wurde. Zwar beendete Mursi nach seinem Wahlsieg seine Mitgliedschaft in der Muslimbruderschaft (und in der „Freiheits & Gerechtigkeitspartei“, dem parlamentarischen Arm der Muslimbrüder), um Präsident aller Ägypter sein zu können, jedoch konnte er sich nie wirklich aus deren Nähe entfernen, falls dies überhaupt gewollt war. Die letzten Tage bewiesen eindeutig dass die Muslimbrüder Mursi einerseits als „ihren“ Präsidenten betrachten, und Mursi andererseits nicht mehr als eine Marionette der Führungsriege der Muslimbruderschaft war.

Die Muslimbrüder versagen – Tamarod entsteht

Nachdem es Mursi und den Muslimbrüdern nicht gelang die Wirtschaft Ägyptens nach der Revolution 2011 wieder auf Touren zu bringen, verschlechterte sich die Stimmung zusätzlich durch weitere unpopuläre Entscheidungen der Staatsführung, die unter der größtenteils säkularen Stadtbevölkerung  für neuen Protest sorgte. Beispielhaft ist der Versuch Mursis, sich per Dekret über die Entscheidungen des Verfassungsgerichtes hinwegsetzen zu können, welches er nach viel Kritik und zusätzlichen Demonstrationen zurücknehmen musste.

Als sich zum 30. Juni die Wahl jährte, gründete sich im Vorfeld eine neue Protestbewegung, die den Rücktritt Mursis zu eben diesem Datum forderte. Der Name der Bewegung lautet Tamarod (تمرد – „Rebellion“). Als Druckmittel sollte eine Unterschriftensammlung dienen. Die Bewegung schaffte es laut eigenen Angaben, ca. 22 Millionen Unterschriften zu sammeln, eine Zahl, die angesichts einer Bevölkerungszahl von 80 Millionen zwar beeindruckend, jedoch auch unrealistisch wirkt. Zumal niemand kontrollierte, ob eine Person zweimal oder noch häufiger unterschrieb. Zur zentralen Kundgebung am 30. Juni 2013 kamen jedoch ebenso viele Demonstranten, wie zu den Demonstrationen im Jahr 2011. Laut Militärangaben gingen landesweit 12 Millionen Menschen auf die Straße, um den Rücktritt des Präsidenten zu fordern.

Das Militär stellt sich hinter Tamarod – und setzt ein Ultimatum

Nachdem Tamarod dem Präsidenten bis zum 2. Juli Zeit gab, um zurückzutreten, trat überraschend auch der Verteidigungsminister Abdel Fattah al-Sisi vor die Presse. In den letzten Stunden waren bereits mehrere Minister zurückgetreten, viele rechneten nun ebenfalls mit dem Rücktritt von al-Sisi. Dieser überraschte jedoch, als er nun ebenfalls, im Namen des Militärs, ein Ultimatum an Mursi stellte und ihn aufforderte, bis zum 3. Juli, 17 Uhr, eine politische Lösung für die Krise zu finden. Andernfalls behalte sich das Militär vor, die Zügel in die Hand zu nehmen und selbst einen Lösungsplan vorzulegen, sowie diesen auch durchzusetzen. Ungeschönt gesagt: man kündigte einen Putsch an.

Auf den Straßen wurde diese Stellungnahme des Militärs, welches sich damit anders als noch 2011 eindeutig auf die Seite der Demonstranten schlug, mit Jubel aufgenommen. Man muss sich das einmal durch den Kopf gehen lassen. Die Armee kündigt an einen demokratisch gewählten Präsidenten zu entfernen und der Großteil der Bevölkerung bricht in euphorischem Jubel aus. Allein hier wird deutlich, wie unzufrieden die Bevölkerung sein muss. Das Militär präsentiert sich so als Vollstrecker und Garant des Volkswillens, der Spruch „Militär und Volk, Hand in Hand“ macht die Runde. Der vom Militär präsentierte Übergangsplan, ausgearbeitet zusammen mit den religiösen Führern des Landes sowie führenden Köpfen der Opposition, darunter El-Baradei, wirkt konsequent und größtenteils demokratisch. Alles scheint gut.

Die Kehrseite der Medaille

Nun, nicht alles. Wie zu hören ist, werden die führenden Köpfe der Muslimbrüder aktuell verfolgt und unter Arrest gestellt, ohne wirklich eine Straftat begangen zu haben. Eine Politik der nationalen Versöhnung sieht anders aus, zumal die Bruderschaft auch jetzt noch über eine große Basis an Unterstützern verfügt, vor allem in den Gebieten außerhalb der Städte. Die Befürchtung, dass diese Menschen den Machtwechsel nicht akzeptieren und sich in Teilen radikalisieren ist durchaus berechtigt. Allerdings ist die Enttäuschung der Anhänger der Muslimbrüder auch nachvollziehbar, schließlich können sie noch immer vorweisen, dass Mursi demokratisch legitimiert ist. Ihr Vertrauen in die Demokratie muss aktuell vollkommen zerstört sein, was zumindest ich für vollkommen verständlich halte.

Bleibt noch das Militär. Dessen Aktionen wirken wie bereits gesagt wie die Vollstreckung des Volkswillens, allerdings verfolgt man auch ganz eigene Ziele. Unbemerkt hat das Militär die öffentliche Meinung über die Armee gedreht. Während man sich noch vor einem Jahr mit allen Mitteln vom verhassten Militärrat befreien wollte, wurde dessen Eingreifen nun vollumfänglich begrüßt. Das Militär hat genau den richtigen Zeitpunkt abgepasst, und einen sowieso einsetzenden Prozess beschleunigt und ihm seinen Stempel aufgedrückt. Es war faszinierend, wie einfach sich die Generäle wieder an die Spitze des Staates, und Mohammed Mursi absetzen konnten. Im gleichen Zug hat man noch eben die Verfassung kassiert. Das macht eines klar: im Nil-Staat geht auf nächste Zeit nichts mehr ohne den Segen des Militärs. Auch wenn die Fäden nun, anders als noch 2011, im Hintergrund gezogen und durch eine zivile Regierung verschleiert werden.

Das Militär hat bewiesen dass es jeder Zeit wieder die Fäden in die Hand nehmen kann, selbst wenn eine neue Verfassung und gewählte Regierung geben sollte. Und ganz nebenbei hat sich die Armee die Sympathie der Ägypter zurückgeholt. Mit Ansage, ohne wirklichen Widerstand, vor laufenden Kameras und unter frenetischem Jubel. Der perfekte Staatsstreich.

 

Ich habe bewusst die Erwähnung eines „Arabischen Frühlings“ vermieden. Warum? Das könnt ihr auf kleinerDrei nachlesen: Frühlingsgefühle | Beitragsbild: CC-BY Lilian Wagdy, Aufschrift des Plakates nach meiner amateurhaften Übersetzung: „Verschwinde, oh Unheil!“

Referat: „Der Zerfall des Osmanischen Reiches“ von Fikret Adanır

Ich habe letzte Woche ein ca. einstündiges Referat gehalten, in welchem ich den Text „Der Zerfall des Osmanischen Reiches“ von Fikret Adanır vorstellte und demzufolge auch einmal durch die komplette (innenpolitische) Geschichte des Osmanischen Reiches führte. Leider konnte ich den Text online nicht finden, deshalb hier die Quellenangabe zum bestellen in der Bibliothek eures Vertrauens:

  • Adanır, Fikret, “Der Zerfall des Osmanischen Reiches”, in: Demandt, Alexander, Das Ende der Weltreiche. Von den Persern bis zur Sowjetunion, München, C.H. Beck, 1997, S. 108-128.

Meine Präsentation lässt sich hier downloaden:

Textvorstellung: Das Osmanisches Reich - der innere Untergang
Textvorstellung: Das Osmanisches Reich - der innere Untergang
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Das Handout ebenso:

Handout zur Textvorstellung: Das Osmanisches Reich - der innere Untergang
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Handout und Präsentation können gerne weiterverwendet werden, Lizenz ist CC-BY-NC-SA, über Ausnahmen lässt sich reden.

(Titelbild dieses Beitrages: The Sinopskiy Battle on the 18th November of the 1853 year (Night after Battle). von Ivan Ajvazovski)